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Karen Ranzi ist Referentin, Coach für Rohkost-Ernährung, Rohkost-Chefköchin, Logopädin und Autorin des Buches Creating Healthy Children: Through Attachment Parenting and Raw Foods.

Würden Sie uns den Verlauf Ihrer Ernährungsweise schildern?

Ich begann 1994 roh zu essen, als mein Sohn noch ein Baby war und an Asthma, chronischen HNO-Infektionen und Nahrungsmittelallergien litt. Nachdem ich mehrere Ärzte aufgesucht hatte, und zwar sowohl Schulmediziner als auch Alternativmediziner, dachte ich an meine Großmutter und daran, wie sie ein paar Jahrzehnte zuvor geheilt war.

Meine Großmutter väterlicherseits, Célia, war in den frühen 1920er Jahren sehr schwer an Asthma und an einem Emphysem erkrankt. Sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert und die Ärzte gaben ihr nur sechs Monate Zeit zu leben …

Einer ihrer Brüder schrieb ihr und riet ihr, Vegetarierin zu werden und sich nach und nach auf die Ernährung mit Obst und Gemüse umzustellen. Sie las gleichzeitig das Buch von Arnold Ehret The Mucusless Diet Healing System und schlug den Weg des Überlebens und der Gesundheit ein. Meine Großmutter Célia überraschte alle Ärzte damit, dass sie weitere 45 Jahre lebte.

Meine Mutter hatte meinem Vater anfangs versprochen, uns als Vegetarier aufzuziehen, aber da sie nicht daran glaubte und Angst vor Mangelerscheinungen hatte, gab sie uns Fleisch und viele gekochte Lebensmittel. Ich war als Kind oft krank und nahm häufig Medikamente ein.

Es gab viele Diskussionen rund um Essen und Medizin zwischen meiner Mutter und meiner Großmutter. Unter vier Augen riet mir meine Großmutter, keine Tiere zu essen, sondern vor allem Obst und Gemüse. Als ich acht Jahre alt war, wirkten sie und mein Vater exzentrisch und sogar fanatisch auf mich, weil sie anders aßen, nie zum Arzt gingen, nie Medikamente nahmen und sehr spezielle Vorstellungen von der Funktionsweise des Körpers hatten. Sie hatten außerdem einen ausgeprägten Respekt vor Tieren und der Natur, den niemand sonst zu haben schien.

Mit 17 Jahren wurde ich aus ethischen Gründen Vegetarierin, weil ich glaube, dass der Mensch nicht das Recht hat, Tiere zu töten und zu essen. Erst viel später, als mein zweites Kind krank wurde, machte ich mir Sorgen um den gesundheitlichen Aspekt. Nach drei Jahren erfolgloser Besuche bei verschiedenen Ärzten erinnerte ich mich an die Geschichten meiner Großmutter und begann, nach Erfahrungsberichten von Rohköstlern zu suchen. Ich fand einen Verein in Manhattan und dort bekam ich die Unterstützung, die ich brauchte, um den Anfang zu machen. Mein Sohn war damals drei Jahre alt und meine Tochter fünfeinhalb Jahre alt. Ich fing an, ihnen grüne Säfte, Smoothies, Obst, Gemüse, Nüsse und Kerne zu geben. Mein Sohn hat sich nach etwa 11 Monaten von seinen chronischen Krankheiten erholt. Es war eine unglaubliche und spektakuläre Heilung, die unser Leben völlig verändert hat.

Nach dieser Erfahrung wollte ich keine gekochten Lebensmittel mehr zu mir nehmen, also haben wir am Ende roh und vegan gegessen. Ich stand im Zentrum des Universums meiner Kinder und sie folgten meinem Beispiel, außer in den Ferien, wo sie manchmal gekochte Lebensmittel aßen.

Als Teenager mussten sie sich „anpassen“, sodass sich ihre Ernährungsgewohnheiten änderten, aber sie blieben stets Vegetarier. Nachdem meine Tochter an der Universität krank wurde, ist sie seitdem wieder Rohköstlerin geworden. Ich bin seit 1994 eine 100%ige Rohköstlerin und habe keinen Wunsch, anders zu leben.

Was empfehlen Sie für eine Schwangerschaft mit Rohkost und eine optimale Geburt? Für Stillen mit Rohkost?

Viele Frauen, auch Rohköstlerinnen, haben die Befürchtung, während der Schwangerschaft nicht ausreichend Proteine zu essen. Aber es gibt überhaupt keine Probleme wegen Proteinmangel!

Nach der Geburt sollten Sie Ihr Kind jedoch bis zum Ende des ersten Lebensjahres stillen, um zu gewährleisten, dass es alle Proteine und Fettsäuren bekommt, die es braucht. Auch Rohkost kann das Stillen nicht ersetzen.

Ich stehe in Kontakt mit Hebammen, die Rohkost-Schwangerschaften verfolgen, und ich bekomme immer mehr Feedback zu diesem Thema. Die Geburten dieser Frauen verlaufen in der Regel schneller und unkomplizierter.

Die Mutter muss in jeder Hinsicht auf sich selbst achten: körperlich, geistig und seelisch. Die Nahrung, die eine schwangere Frau zu sich nimmt, ist die Grundlage für die Gesundheit des zukünftigen Lebens. Was sie isst und fühlt hat Einfluss auf die Entwicklung des Kindes.

Ich empfehle keiner Frau, während ihrer Schwangerschaft zu 100 % auf Rohkost umzusteigen, denn die zuvor angesammelten und in der Lymphe abgelagerten Giftstoffe würden dann plötzlich wieder ins Blut zurückgeführt. Allerdings würde die Aufnahme von 70 bis 80 % Rohkost in Ergänzung mit gekochtem Gemüse eine gute Nährstoffzufuhr für die Mutter und das Baby gewährleisten.

Es ist wichtig, dass eine schwangere Roshköstlerin auf abwechslungsreiche Weise Obst, grünes Blattgemüse und sonstige Gemüse, Nüsse und Kerne (wenn möglich gekeimt) isst…. Algen können auch von Interesse sein. Smoothies und grüne Säfte sind hervorragend aufgrund ihrer Mineralstoffzufuhr und ich empfehle, sie jeden Tag zu trinken.

Bestimmte Arten der Rohkost-Ernährung sind nicht angemessen, und es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle rohen Lebensmittel unter allen Umständen förderlich sind.

Ich rate ab von „rohen“ und zugleich raffinierten oder dehydrierten Produkten. Sie sind giftig und sollten nicht in Rezepten verwendet werden. Kakao ist ein Reizmittel, das nicht oder nur gelegentlich verwendet werden sollte.

Alle Vitamine, Mineralien, Fettsäuren, Proteine usw. sind in großen Mengen in Obst, Gemüse, Nüssen und Kernen enthalten. Obst liefert uns die meiste Energie und den Zucker, den wir wirklich zum Leben brauchen. Gemüse alkalisiert unseren Körper und vor allem grüne Blätter versorgen uns mit vielen Mineralien.

Ich empfehle zudem ein tägliches Trainingsprogramm. Dies ist kein guter Zeitpunkt, um ruhig sitzen zu bleiben! Ich sprang auf mein Trampolin und wanderte bis zum letzten Monat meiner Schwangerschaft. Sogar während des letzten Monats machte ich lange Spaziergänge, um mich zu stärken und mich auf die Geburt vorzubereiten.

Man muss auch genügend Schlaf bekommen, Zeit im Freien in der Sonne verbringen, Stress vermeiden und positive Beziehungen pflegen. Eine glückliche und ausgeglichene Beziehung zum Partner ist eines der wichtigsten Dinge für die Schwangerschaft, die Geburt und das spätere Familienleben.

Für die körperliche und seelische Gesundheit des Kindes empfehle ich das Stillen über einen längeren Zeitraum. Der Mensch ist ein Säugetier, das Zeit zum Wachstum braucht. Man sollte ein Jahr lang ausschließlich stillen und mindestens ein weiteres Jahr lang mit Beikost weiterhin stillen.

Als ich Rohköstlerin wurde, stillte ich noch mein zweites Kind. Ich hatte plötzlich einen Überfluss an Milch und hätte andere Babys mit ernähren können. Für die Stillzeit empfehle ich wasserreiche Lebensmittel wie Wassermelonen, Gurken und Kokoswasser, um die Milchproduktion zu steigern. Auch gekeimte Bockshornkleesamen sind sehr wirkungsvoll.

Feste Nahrung kann am Ende des ersten Jahres nach dem Geschmack und dem Zahnbestand des Kindes eingeführt werden. Ein Kind sollte nichts zu kauen bekommen, bis es genügend Zähne hat. Kinder, die zu früh mit dem Essen beginnen, entwickeln oft Allergien.

Zu Beginn ist es das Beste, wenn sie Mahlzeiten aus einer einzigen zuckerreichen Obstsorte essen, wie Banane, Birne, Mango, Pfirsich oder Melone, die in kleine Stücke geschnitten werden. Nach dem ersten Jahr empfehle ich die Einführung von grünem Blattgemüse für die Zufuhr von Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren. Wenn sie zu schwer zu kauen sind, können Sie sie als Saft zubereiten.

Wie kann man größere Kinder an lebendige Nahrung heranführen?

In diesem Bereich beobachte ich die deutlichste Verbesserung im Hinblick auf Gesundheit, Gewicht, Konzentration und Psyche. Ich konzentriere mich zunächst auf Zwischenmahlzeiten, indem ich industrielle Lebensmittel durch Obst und Gemüse mit etwas Sauce ersetze. Wenn Kinder dazu ermuntert werden können, Obst zu essen, das voller Ballaststoffe und Wasser ist, werden sie ihren Körper realkalisieren und ihren Darm regenerieren. Aber die Kinder werden die Vorteile nur dann wirklich spüren, wenn sie parallel dazu keine raffinierten oder industriellen Lebensmittel essen, die die Entgiftung behindern.

Kinder mögen Soßen und das ist eine gute Gelegenheit, sie dazu zu bringen, Gemüse zu essen. Ich habe etliche Kinder gesehen, die grünes Blattgemüse (Kohl, Salat, Spinat …) und andere Gemüse essen und dabei die Soßen einfach genießen!

Je mehr die Kinder rohes Obst und Gemüse essen, desto lieber mögen sie es. Das Ziel besteht darin, raffinierte, industrielle Lebensmittel und tierische Produkte zu streichen. Lassen Sie immer Obst und Gemüse in attraktiven Körben oder bunten Schalen zur Verfügung stehen, Kinder sind empfänglich für die Präsentation und bemerken schnell, welche Lebensmittel ihnen gut tun.

Als Lehrerin und Logopädin habe ich mit vielen Kindern gearbeitet, bei denen eine Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert wurde. Sie haben Probleme mit der Gegenwart, dem Denken, dem Zuhören und leiden aufgrund ihrer Hyperaktivität häufig an Konzentrationsschwäche. Ich habe oft festgestellt, dass bei überwachten Ernährungsumstellungen, insbesondere beim Verzicht auf industrielle und raffinierte Lebensmittel, die mit Zusatzstoffen wie Aspartam oder Glutamat beladen sind, eine Heilung möglich ist.

Bei diesen Kindern und bei Autisten habe ich wirklich deutliche Verbesserungen der Lernfähigkeit, der Konzentration, der Kommunikation und natürlich der allgemeinen Gesundheit beobachtet. Ihre Eltern haben die Wirksamkeit dieser Ernährungsweise miterlebt. Dies ist sicherlich eine bessere Methode als die Verabreichung von Medikamenten …

Ich mag lebendige Nahrung, ich habe immer viel Energie und ich könnte mir nicht vorstellen, wie vorher zu leben!