Viele von uns stellen sich folgende Fragen: Wie schafft man es, jeden Tag Rohkost zu essen? Welche Techniken sollte man beherrschen? Welche Küchenutensilien benötigt man?

Wer sich gesünder ernähren möchte und sicher sein will, dass es mit der Ernährungsumstellung klappt, sollte dies schrittweise tun, um seinen Körper nicht zu überfordern. Den Mont Blanc oder den Kilimandscharo erklimmt man ja schließlich auch nicht ohne Vorbereitung! Mit der Ernährung verhält es sich ganz genauso. Eine Ernährung, die zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen passt, finden Sie nicht von heute auf morgen. Sie sollten daher langsam vorgehen.

„Große Veränderungen macht man mit kleinen Schritten. Dein Bauwerk wird immer größer, wenn du jeden Tag einen Stein hinzufügst und es nie aufgibst. Kämpfe gegen Zweifel und Faulheit. Übe dich in beständiger Wachsamkeit. Beobachte, verstehe und liebe.“ Dugpa Rimpoché

Schritt 1: Misten Sie Ihre Küchenschränke aus!

> Leeren Sie Ihre Küchenschränke und Ihren Kühlschrank. Trennen Sie sich von Nudeln, von Frühstückszerealien mit Zuckerzusatz, von weißem Zucker, von Keksen, Zwieback, Toastbrot, von Chips, Ketchup, Mayonnaise und anderen industriell hergestellten Produkten.

> Füllen Sie Ihre Vorratskammer mit neuen Grundnahrungsmitteln (möglichst in Bio-Qualität) auf:

Pürees aus Ölsaaten, wie Mandeln, Erdnüsse, Cashewnüsse, Sesam (Tahini);

Ölsaaten in hermetisch verschlossenen Behältnissen (z. B. aus Glas): Paranüsse, Cashewnüsse, Walnüsse usw.;

Trockenobst (ebenfalls in hermetisch verschlossenen Behältern): Datteln, Rosinen, Feigen, Cranberries, Mangos, Tomaten usw.;

verschiedene Körner: Leinsamen, Hanf-, Chiasamen, Sonnenblumenkörner, Kürbiskerne usw.;

Samen zum Keimen: Alfalfa, Bockshornklee, schwarzer Rettich, Buchweizen, rote oder grüne Linsen;

Rohkostalgen: Nori, Dulse, Meersalat, Wakame, Spirulina, Agar-Agar usw.;

Produkte zum Salzen: unraffiniertes Meersalz, Tamarisoße, Miso (braun oder gelb);

native Bioöle aus erster Kaltpressung: Kokosöl, Olivenöl, Rapsöl, Sesamöl, Hanföl, Ölmischungen mit viel Omega 3 usw.;

Bio-Apfelessig;

in Salzlake eingelegte Essiggurken, Kapern, Oliven usw.;

lacto-fermentiertes Gemüse und Säfte;

Nährhefe;

Dijon-Senf;

Gewürze: Pfeffer, Paprika, milden Cayenne-Pfeffer, Kurkuma, Cumin, Curry, Ras-el-hanout, Knoblauchpulver, Kräuter der Provence, Vanille usw.;

Süßmittel (fakultativ): Agavensirup, Kokosblütenzucker oder -sirup, Ahornsirup, Dattelpaste usw.

Bewahren Sie Ihre Produkte nach Kategorien auf und vergessen Sie nicht, Ihre Behältnisse zu beschriften, so Ihnen dies nützlich erscheint. In einer Küche, in der Nahrungsmittel mit System aufbewahrt werden, finden Sie sofort, was Sie suchen!

> Sehen Sie auch einen Ort vor, an dem Sie Ihr Obst und Gemüse aufbewahren:

Frisches Obst der Saison (Äpfel, Birnen, Bananen, Clementinen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Aprikosen, Melonen, Kakis usw.);

Blattsalate und anderes Blattgemüse der Saison (Kopfsalat, Spinat, Sauerampfer, Rucola, Feldsalat, Kresse usw.);

Gemüse der Saison (Sellerie, Zucchini, Kürbis, Blumenkohl, Tomaten, Paprika, Rüben, Radieschen, Süßkartoffeln, rote Beete, Salatgurken, grüne Bohnen usw.); natürliche Fette (Avocados, Oliven).

Bauen Sie sich dazu Holzregale oder lagern Sie Obst und Gemüse an einem trockenen, kühlen Ort in Kisten, so dass der Reifeprozess nicht beschleunigt wird.  Legen Sie Obst und Gemüse aus und schichten Sie es nicht aufeinander. Zu große Hitze oder Kälte kann zum Verfall von Frischwaren führen. Wer gesund leben will, sollte zu Hause ganz viel Obst und Gemüse haben. So vermeidet man, dass man bei einem kleinen Hunger zu ungesunden Alternativen greift.

Halten Sie für Ihre Kinder immer eine gut gefüllte Obstschale bereit, aus der sie sich etwas aussuchen können, wenn sie Hunger haben. Gewöhnen Sie sie so schon von klein auf daran, ihren Hunger mit gesunden Lebensmitteln zu stillen. Kinder lernen so einen gesunden Umgang mit ihrem Körper und werden außerdem selbstständiger.

> Kaufen Sie mindestens einmal in der Woche frische Ware nach.

> Wählen Sie dabei Bioprodukte der Saison, die nach Möglichkeit auch lokal erzeugt werden und nur wenig verpackt sind. Tragen Sie so auch zur Müllvermeidung bei.

> Bauen Sie in Ihren Wasserhahn einen Wasserfilter ein oder kaufen Sie nur wenig mineralisiertes Wasser (z. B. von Mont Roucous oder Montcalm). Qualitativ hochwertiges Wasser zu trinken ist nicht wegen der Mineralien, sondern v. a. deswegen wichtig, weil es den Organismus reinigt und entwässert. Je weniger Mineralien Wasser enthält, desto besser kann es Giftstoffe, Säuren und diverse andere Moleküle aus dem Körper leiten.

Schritt 2: Legen Sie sich die richtigen Küchenutensilien und -geräte zu!

Was Küchenutensilien und -geräte betrifft ist weniger mehr. Ein Schneidebrett, ein paar gute Messer, ein Sparschäler, ein paar Gabeln, kleine und große Löffel, ein paar Teller und Gläser sind ausreichend, um in ein Leben mit mehr Pflanzen- und Rohkost zu starten. Später kann man sich weitere Utensilien zulegen. Wozu benötigt man was?

Mit einem Kochmesser lassen sich Würfel sowie kleinere und größere Streifen schneiden.

Mit einem etwas kleineren Gemüsemesser kann man leicht Obst und Gemüse verarbeiten.

Unverzichtbar ist natürlich auch ein Schneidebrett. Schneidebretter sollten möglichst aus Holz und nicht aus Plastik sein.

Eine der ersten Anschaffungen sollte – meiner Meinung nach – ein Blender sein. Für die Rohkostküche ist ein Blender unbedingt nötig. Man kann damit Tag für Tag Soßen, Smoothies, Aufstriche, Käseersatz, Hummus, Eis, Suppen, Milchersatzgetränke u. v. m. herstellen.

Um den Blender zu leeren, benötigt man ferner einige Schaber aus Silikon. Mit diesen zerkratzt man sein Gerät nicht und verschwendet nichts.

Zum Herstellen von Milchersatzgetränken braucht man außerdem – zusätzlich zu einem Blender – einen Nussmilchbeutel.

Eine Zitruspresse.

Glasbehälter, in denen man Zutaten aufbewahren oder zum Keimen bringen kann.

Eine Küchenmaschine zum Hacken, Schneiden und Raspeln sowie zum Herstellen von Zubereitungen, die weniger flüssig sein sollen als die, die man mit einem Blender herstellen kann: Rohkostteige, Energiebälle, vegetarische Burger, Pastinaken- und Blumenkohlmehl, Mandelmus usw.

Mit einem Entsafter kann man Fruchtfleisch (also Fasern) von Saft trennen und so einen wunderbar frischen und sehr vitamin- und mineralstoffreichen Gemüsesaft erhalten. Dies ist inbesondere für diejenigen wichtig, deren Verdauungssystem recht empfindlich ist und die Probleme damit haben, zu viele Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Die Nährstoffe, die man über einen frischen Gemüsesaft aufnimmt, gehen außerdem direkt ins Blut über.

Sehr nützlich ist ferner ein Spiralschneider, mit dem es möglich ist, anstelle von herkömmlicher Pasta aus Getreide Tagliatelle und Spaghetti aus Gemüse herzustellen.

Mit einem Dörrgerät können Sie ferner Trockenobst (dazu zählen auch getrocknete Tomaten), aber auch ganze Gerichte herstellen: Pfannkuchen, Crackers, französische Crêpes, Wraps, Pizzateig, Obstkuchenteig, Quiches usw.

Sehr feine Obst- und Gemüsescheiben (Zucchini, rote Beete…) für Rohkostlasagne bzw. Rohkostravioli erhält man mit einem Gemüsehobel (Mandoline).

Planen Sie Ihre Küche so, dass sie so praktisch wie möglich ist. Ideal ist eine große Arbeitsfläche, auf der Blender, Küchenmaschine und Entsafter permanent einsatzbereit sind.

Schritt 3: Legen Sie sich, wenn möglich, einen Kompost zu.

Ein Kompost verwandelt Küchenabfälle in fruchtbare Erde, die Sie anschließend für Ihre Pflanzen als Dünger nutzen können, so Sie einen Gemüsegarten besitzen. Legen Sie sich einen Küchenkomposter zu (dank des Deckels kommt es zu keiner größeren Geruchentwicklung) und geben Sie den Inhalt alle 2 bis 3 Tage auf Ihren Kompost im Garten. Dieser sollte sich möglichst an einem schattigen Platz unter Bäumen befinden und einen direkten Kontakt mit dem Boden haben.

Noch ein letztes: Seien Sie flexibel und geduldig. Probieren Sie Dinge aus und seien Sie erfinderisch!

 

 

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